03.04.2025

Omnibus-Paket und Clean Industrial Deal: Was nun?

Mit dem Clean Industrial Deal und dem Omnibus-Paket steht der europäische Wirtschaftsraum vor einer weiteren nachhaltigen Transformation. Welche Änderungen ergeben sich für Unternehmen in Sachen ESG-Berichtserstattung?

Deutschland und der europäische Wirtschaftsraum entwickeln sich seit Jahren rasant in den Bereichen erneuerbare Energien, klimafreundlicher Transport, effizientere Gebäude und regenerative Landnutzung. Der Clean Industrial Deal der Europäischen Union (EU) und die damit einhergehenden regulatorischen Anforderungen festigen nun den Rahmen für unsere Reise hin zu Klimaneutralität.  

Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive), CSDDD (Corporate Sustainability Due Diligence Directive), EU-Taxonomie – tausende Unternehmen haben sich bereits auf den Weg gemacht, sich mit Nachhaltigkeit im Wirtschaften und die sich daraus ergebende neue Qualität an nicht-finanzieller Berichterstattung auseinanderzusetzen. Sie haben damit begonnen, die Datengrundlagen zu schaffen, um die notwendigen Prozesse zu etablieren. Sicherlich kein leichtes Unterfangen: Eine derart ganzheitliche Betrachtung von Geschäftsmodellen inklusive globaler Lieferketten erfordern Expertise, Zeit und nicht zuletzt finanzielle Mittel.

Der europäische Wirtschaftsraum benötigt Investition, Innovation und Wirtschaftswachstum – jedoch unter Achtung der planetaren Grenzen und in diesem Spannungsfeld einen regulatorischen Rahmen, der beidem gerecht werden kann. Der kürzlich veröffentlichte Draghi-Plan und der EU-Wettbewerbskompass legen dar, was den weltweit größten Wirtschaftsraum besonders macht, welche Stärken auszubauen sind aber auch welchen Herausforderungen wir uns stellen müssen. Entsprechend hat die Europäische Kommission (EK) ihre Entwürfe der Regulatorik für mehr Nachhaltigkeit auf den Prüfstand gestellt. Das Ergebnis: das Omnibus-Paket und der Clean Industrial Deal.

Während das Omnibus-Paket als Vorschlag zur Reduktion des administrativen Aufwands zu reduzieren gesucht, treibt der Clean Industrial Deal die Modernisierung der Industrie voran. 

Bedeutung von Omnibus-Paket und Clean Industrial Deal für Unternehmen

Zunächst die Fakten der jüngsten Entwicklungen der EK in Kürze:

  • Clean Industrial Deal: Die EU setzt auf Modernisierung der Industrie, niedrigere Energiepreise und Investitionen in saubere Technologien. Die ambitionierten Klimaziele (netto Null Emissionen bis 2050) bleiben bestehen. Unser Wirtschaftsraum soll wettbewerbsfähiger, innovativer und dabei auch nachhaltiger werden.  
  • Omnibus-Paket: Reduzierung der berichtspflichtigen Unternehmen um 80 %. Nur große Konzerne mit über 1.000 Mitarbeitenden und 50 Mio. € Umsatz müssen gesetzlich verpflichtend weiterhin Nachhaltigkeitsdaten liefern. Zusätzlich gibt es einen zweijährigen Aufschub für die Unternehmen der sogenannten Zweiten Welle, also aller mittelständischen und großen, nicht kapitalmarktorientierten Unternehmen. Dies führt dazu, dass die verpflichtende Berichterstattung nicht mehr circa 50.000 Unternehmen, sondern etwas unter 10.000 Unternehmen betrifft. Allen anderen bleibt freigestellt, ob sie ihren Kunden und anderen Stakeholdern auch über nicht-finanzielle Aspekte berichten wollen. Damit auch diese Berichte einem Industriestandard folgen, wird die Anwendung des Voluntary Reporting Standards for Small and Medium-size Enterprises (VSME) empfohlen.
  • Weitere Vereinfachungen: Nachhaltigkeitsgesetze wie die europäische Lieferkettenrichtlinie und die EU-Taxonomie werden ebenfalls angepasst, um den regulatorischen Druck zu mindern (European Parlament, 2024). Die EU-Taxonomie soll für die Unternehmen der zweiten Welle aller Voraussicht nach lediglich freiwillig angewendet werden.
  • Tiefergreifende Auseinandersetzung: Hier finden sie weiterführenden Informationen rund um die Omnibus-Verordnung
Auswirkungen auf unternehmerische Nachhaltigkeitsstrategien

Einerseits bedeuten die vorgeschlagenen Änderungen Entlastung. Gerade für viele kleinere und mittlere Unternehmen befreit das Kapazitäten, die anders genutzt werden können.  

Andererseits gibt es eine große Anzahl an Unternehmen, die längst Kapazität und Ressourcen für die Berichterstattung eingeplant haben. Für sie bedeutet diese Veränderung zuerst einmal: Planungsunsicherheit.

Für Unternehmen, die den Wert der Nachhaltigkeit bereits in ihr Wertversprechen integriert haben, ändert Omnibus wenig. Der Prozess der standardisierten Berichterstattung und Nutzung der Kennzahlen zur Steuerung der Unternehmen ist ohnehin bereits im Gange. Hier konsolidiert sich der Markt und wird durch die Vereinfachung wenig beeinflusst.

Selbst, wenn man den CSRD-konformen Bericht nun erst ein Jahr später vorlegen muss, als vom Gesetzgeber verlangt, gibt es neben dem Wirtschaftsprüfer auch eine ganze Menge anderer Stakeholder des Unternehmens mit Interesse an den gewonnenen Einblicken.

Wichtig ist es für Unternehmen, die gewonnene Zeit zu nutzen, um die Wettbewerbsvorteile zu erarbeiten. Zum Beispiel, indem die Prozesse der Berichterstattung vereinfacht und technologisch unterstützt werden. ESG-Datenmanagement und Governance (ESG = Environmental, Social und Governance) greifen diese Prozesse auf und übersetzen sie in standardisiertes Vorgehen mit geringem Ressourceneinsatz.

Denn die Richtung bleibt: Wachstum, Dekarbonisierung, Innovation als Treiber der nachhaltigen Transformation.  

Events:

08.04.2025

Campana & Schott nimmt am Microsoft Sustainability Leader Forum in München teil. Unsere Expertinnen und Experten werden…

Für weitergehende Information empfehlen wir einen Blick auf die Website der Europäischen Kommission mit Fragen und Antworten zum Omnibus-Paket.

Wir stehen zur Interpretation und für die Implikationen für Ihre Sustainable Transformation gerne zur Verfügung. 

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Kontakt

Frank Helbig

Expertise Lead Sustainability